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Ein Abend mit WOLF BIERMANN der Kulturtalk mit Robert Rauh

26.01.2023 um 19:30 Uhr

Kulturkirche

 

"Jetzt bin ich vom Regen in die Jauche gekommen", sagte der Liedermacher nach seiner Ausbürgerung aus der DDR. Freiwillig war er in die DDR gegangen. Heute lebt er in Hamburg, wo er 1936 auch geboren wurde. Am Donnerstag, den 26. Januar 2023 ist der Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann zum Kulturtalk mit Robert Rauh in der Kulturkirche Neuruppin zu Gast und wird auch einige seiner Lieder singen.

 

Schön früh tut sich Wolf Biermann politisch hervor: 1950 vertritt der 13-Jährige die Bundesrepublik Deutschland beim 1. Deutschlandtreffen der FDJ in der DDR. Nachdem er die Schule in Hamburg beendet hat, entscheidet sich der 17-Jährige, in die DDR überzusiedeln. Zwei Jahre lebt Biermann in einem Internat bei Schwerin. Dann studiert er politische Ökonomie an der Berliner Humboldt-Universität, später auch Philosophie und Mathematik. Zwischenzeitlich arbeitet er als Regieassistent am "Berliner Ensemble".

 

Biermann beginnt, Gedichte und Lieder zu schreiben. 1961 gründet er das Ost-Berliner Arbeiter- und Studententheater (b.a.t.). Doch seine Inszenierung des Stückes "Berliner Brautgang", das vom Mauerbau handelt, wird verboten und das Theater noch vor der Premiere geschlossen. Der DDR-Staat, den Biermann aus freien Stücken als Heimat gewählt hatte, verbietet ihm als Künstler aufzutreten - zunächst für ein halbes Jahr. Auch in die SED wird er nicht aufgenommen, obwohl er dafür zwei Jahre kandidiert.

 

Nach einem Auftritt in dem Ost-Berliner Kabarett "Die Distel" hat Biermann 1964 sein erstes Gastspiel in der Bundesrepublik. Bald erscheint eine Langspielplatte unter dem Titel "Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West)". Im gleichen Jahr veröffentlicht Biermann in der Bundesrepublik auch den Lyrikband "Die Drahtharfe". Daraufhin verhängt das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED ein totales Auftritts- und Publikationsverbot gegen ihn. Er habe "Klassenverrat" begangen und sei obszön, heißt es zur Begründung.

 

Biermann hat lange auf Schallplatten-Veröffentlichungen in der Bundesrepublik verzichtet, weil er hoffte, dass seine Lieder irgendwann doch auf den DDR-Plattenlabels Amiga oder Eterna erscheinen würden. Nun nimmt er die Sache selbst in die Hand: Es entstehen die Aufnahmen zu seiner erste Langspielplatte Ost in seiner Wohnung. Die Wohnung liegt in der Chausseestraße 131, und so heißt dann auch die Platte.

 

Weitere Veröffentlichungen in der Bundesrepublik finden auch den Weg in die DDR und werden dort heimlich weitergegeben. Nach elf Jahren Berufsverbot tritt Biermann im September 1976 zum ersten Mal wieder auf - bei einem Konzert in der Prenzlauer Nikolaikirche. Im November fährt er zu einem Auftritt nach Köln.

 

Nach einem Konzert bei der IG Metall, das die ARD überträgt, darf er nicht mehr nach Ost-Berlin zurückkehren. Bei seinem Auftritt hat er stellenweise die DDR kritisiert. Die Führenden der DDR nutzen den Anlass, um den Missliebigen loszuwerden. Biermann ist ausgesperrt - ausgebürgert. Später wird klar: Die DDR-Führung hatte die Aktion von langer Hand bereits vor Biermanns Ausreise geplant.

 

Die Ausbürgerung des Liedermachers ist für die Dissidenten in der DDR einschneidend. In einer Petition protestieren Intellektuelle dagegen. In Ost und West werden Unterschriften gesammelt - vergeblich. Repressalien und Schikanen bringen in der Folgezeit viele andere Künstler und Intellektuelle dazu, die DDR zu verlassen. 1977 kommen so auch Biermanns frühere Gefährtin, die Schauspielerin Eva-Maria Hagen, und ihre Tochter Catharina aus früherer Ehe, heute bekannt als die Sängerin Nina Hagen, in die Bundesrepublik.

 

Biermann kritisiert in seinen Texten weiter die DDR - und macht im Westen Karriere. 1989 erhält er den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, 1991 den Mörike-Preis und den Georg-Büchner Preis. 1993 zeichnet ihn die Stadt Düsseldorf mit dem Heinrich-Heine-Preis aus. Am 17. Mai 1998 bekommt er den Deutschen Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung, 2006 den Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik 2006 und das Große Bundesverdienstkreuz. Ein Jahr später bekommt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin verliehen.

 

Tickets gibt es an allen guten Vorverkaufsstellen und online über www.reservix.de und www.eventim.de. Weitere Informationen erhalten Sie über 03391 355 53 00.

 

Veranstaltungsort

Kulturkirche